28.04.2017

Gut erholt verließ ich gegen 06:15 Uhr mein Cowboy-Camp. Es lohnt sich definitiv in Zukunft noch früher aufzustehen. Denn solange die Sonne unten ist, lauf ich wie doof.

An der ersten Wasserquelle (Meile 5) vorbei ging es nun Richtung Paradies Valley Café. Dieses Café ist ein bisschen Abseits vom PCT an einer zu überquerenden Straße und für viele Hiker ein Muss. Keiner kann einem Burger und ein Bier widerstehen. Gerade wenn man sich hauptsächlich von Tortillas, snickers und Kartoffelbrei ernährt.

Gegen 1 Uhr bin ich dann auch im Cafe angekommen. Ich plante ursprünglich die restlichen 16 Meilen bis nach Idyllwild zu laufen. Allerdings wurde mir bereits in Warner erklärt, daß der Trail bis dahin geschlossen ist. Ein Waldbrand vor 3 – 4 Jahren hat den PCT vollkommen zerstört, es benötigt 3 Millionen Dollar um diesen zu reparieren. Eine Alternativroute führt nur über einen Highway. Und wie wir mittlerweile wissen, sterben statistisch gesehen die meisten Hiker auf Highways.

Zu guter letzt hat dann auch noch eine nette Dame uns 4 Hiker im Café angesprochen und uns gefragt ob wir mit möchten. Sie würden uns liebend gerne bis nach Idyllwild fahren. Das sind wieder Momente in denen ich Amerika für seine Offenheit liebe. Wir konnten nicht nein sagen. Haben sogar eine Stadtrundfahrt bekommen.

Irgendwie wollte ich unbedingt diese Strecke zu Fuß gehen. Aber das Risiko war einfach zu hoch und die Dame einfach zu nett. Habe ich ein Schlechtes gewissen? Ich denke nicht. Ich werde vermutlich noch einige Umwege gehen müssen.

In Idyllwild ging es zuerst zum Campingplatz. Anschließend direkt zum Outfitter. Ich musste ja irgendwie meine verlorenden Zeltstangen ersetzen. Leider hatte weder REI (Amazon der Ausrüster in USA), Big Agnes (Mein Zelthersteller) noch der Ausrüster vor Ort die Zeltstangen einzeln zum Verkauf. So blieb mir nichts anderes übrig als ein neues Zelt zu kaufen. Wie üblich hier auf den PCT ist wirklich alles preislich angehoben. So erwartete ich eben statt 350€ vielleicht 500€ für mein Zelt zu bezahlen. Aua! Aber dem war nicht so, im Shop wurden mir direkt erklärt, daß sie direkt ein Preisvergleiche im Internet durchführen und ich den günstigsten Preis kriege. Wow! Sowas hätte ich nach wie Wochen auf dem PCT nicht mehr für möglich gehalten. So waren es am Ende „nur“ 300€.

Am Abend war ich mit Matthias und Armin, zwei Deutsche die ich immer wieder getroffen habe, beim Italiener. Es tat sehr gut mal mit deutschen ein längeres Gespräch geführt zu haben.

Morgen steht für mich der erste vollständige Zero-Day an. Das heisst ich werde duschen, meine Wäsche waschen und abends nicht mehr los ziehen. Ich habe einfach das Gefühl, dass mein Körper die Zeit schätzen wird und Erholung braucht. Ausserdem habe ich durch den Hitchhike ein Tag an zeit gewonnen. 

Es hat sich abends übrigens am Lagerfeuer herausgestellt, das wirklich alle gehitched sind. Das beruhigt mein schlechtes Gewissen. 

Jan

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