Leider muss ich euch mitteilen, dass ich nun vorzeitig nach Hause fliege. Die letzten Tage waren nicht einfach für mich. 

Zurück auf dem Trail in Ashland (An der Grenze zu Kalifornien) erwarteten mich wieder Temperaturen um die 35 Grad. Nachdem ich die Sierra übersprungen und mein Knie verletzt hatte, versuchte ich mich hier wieder neu zu motivieren. Nach einigen Meilen merkte ich jedoch täglich, dass mein Körper langsam aber sicher schwächer wurde und es irgendwann nicht mehr weiter ging. Die Schmerzen wurden zu stark. Mein Knie wird immer steifer und Nachts schreckt es mich nach jeder Bewegung hoch. Meine Motivation erreichte ihren absoluten Tiefpunkt und ich realisierte das nun die Zeit gekommen ist um den Trail zu verlassen.

Normalerweise sagt man „Never quit on a bad day!“. Heißt so viel wie „Wenn’s mal nicht so rund läuft, dann nicht gleich aufgeben!“. Und daran hielt ich mich auch auf dem Trail. Jedes mal wenn es mal den ganzen Tag nur hoch ging und ich ziemlich fertig in die nächste Stadt hinkte, ließ ich mir ein Tag Zeit und verließ anschließend voll motiviert aufs Neue die Stadt. Nur diesmal möchte ich wirklich Langzeitschäden verhindern und denke dabei an meine Zukunft. 

Zudem muss man ehrlich gesagt sagen, dass ich im allgemeinen zu langsam unterwegs bin um ein „Heavy Snow“, wie dieses Jahr, zu überwinden – wenn es überhaupt jemand schafft.

Warum bin ich eigentlich auf dem PCT gewandert? Hätte nicht auch ein kleinerer Wanderweg ausgereicht? Nein!

Ich wollte im absoluten Kontrast zu meinem vorherigen Dasein leben. Ich bin von Natur eher ein fauler Mensch, dazu arbeite ich im Büro, fahre viel zu oft in meinem viel zu großen Auto täglich die viel zu kurze Strecke zur Arbeit. Treibe mäßig viel Sport, bei gleichzeitiger, ungesunder Ernährung und wundere mich zugleich warum ich seit Jahren mit Bluthochdruck und Panikattacken zu kämpfen habe. 

Zudem wollte ich schon immer mal in die USA und lernte relativ schnell, nach dem Buch „Ich bin dann mal weg!“ von Harpe Kerkeling, dass es neben dem Camino auch Wanderwege wie den PCT in den USA gibt. Es ging von Anfang an weniger darum Kanada zu erreichen. Auch wenn ich natürlich davon geträumt habe. Aber ich wollte mich tatsächlich einfach nur aus meiner Komfortzone heraus bewegen und wählte mit Absicht diese Art von „Konfrontationstherapie“. Und Schlüsselwörter wie „33 Kilometer am Tag“, „Wüste Kalifornien“, „Sierra Nevada“, „Schnee“, „Mt. Whitney“, „Forester Pass“,  „Klapperschlangen“, „Bären“, „Eisaxt“ und viele weitere klingen absolut nach Kontrast und wahnsinnigem Abenteuer.

So habe ich letzten Endes alle meine Ziele erreicht. Auch wenn ich es nicht nach Kanada geschafft. Ich bin über 1300 Kilometer gelaufen!! Ich habe unglaublich viel an Selbstbewusstsein gewonnen und habe viele tolle Leute kennengelernt.

Ich freue mich bald wieder darauf in Deutschland zu sein. Zudem habe ich für die nächsten 2 1/2 Monate noch einiges geplant und ich hoffe ich kann euch bald mehr verraten. Aber dafür bedarf es noch einiges an Planung.

Jan

6 Replies to “Goodbye USA, Goodbye Pacific Crest Trail – nach 1350 Kilometer ist Schluss!

  1. Hi Jan.
    Herzlichen Glückwunsch zu deinem riesigen Abenteuer. Ich bin sicher, du hast mehr über dich selbst erfahren, mehr Eindrücke von der Natur gesammelt als viele viele andere Menschen es jemals tun werden. Ich selber träume auch vom PCT, werde aber aufgrund Familie die nächsten 10-15 Jahre nicht dazu kommen, diesen tatsächlich auch zu laufen. Ich habe deinen Blog sehr genossen und gratuliere dir zu deinem grandiosen Abenteuer. Hike your own Hike

  2. Goodbye! Sorry I did not get to meet you. I live in tehachapi. This was a bad year for snow . I hope everyone was nice to you along the Trail. I love meeting all of the hikers. Hope you come back and do the Sierra mountains. They are so beautiful!!!

  3. Ich spreche kein Deutsch. Seit du mit dem Wandern begonnen hast, habe ich deine Worte mit Google Translate gelesen. Ich gebe dir herzlichen Glückwunsch! Ich hoffe du bist stolz! Sie haben Ihre Wanderung abgeschlossen! Nur weil die Strecke weniger lang war, verursacht das nicht, dass das Wunder reduziert wird!

  4. Hallo Jan ,
    Glückwunsch, für mich hast du viel Mut bewiesen und eine tolle Leistung gebracht.
    Du hast die richtige Einstellung!

    Genieße die Zeit und sei stolz auf dich.

    Grüße aus Österreich
    Alfred

  5. Hey Jan, gratuliere „trotzdem“! Hab dich 1 mal kurz in Tehachapi und nach KM getroffen. Auch ich werde nach 3000km den PCT verlassen. Fühlt sich tlw hart an, aber auch richtig. Jeder km ist ein Gewinn und nicht jeder verpasste km eine Niederlagr! Das wollen einem viele Thruhiker einreden, aber das ist Blödsinn! Alles Gute, Dominik (Mr. Tidy)

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